Einleitung

Die richtigen Fragen zu stellen ist ein wichtiger Baustein, um Fehlkäufe zu vermeiden. Eine strukturierte Due-Diligence-Checkliste kann Risiken sichtbar machen, die in einem Exposé nicht ohne Weiteres erkennbar sind, und eine fundierte Kaufentscheidung unterstützen. [1] Dieser Artikel bietet eine orientierende Fragenliste für zentrale Bereiche der Unternehmensprüfung.


1. Finanzielle Fragen

Umsatz und Ertrag

#FrageWarum wichtig
1Wie hat sich der Umsatz in den letzten 5 Jahren entwickelt?Trendanalyse – wächst oder schrumpft das Geschäft?
2Welcher Anteil des Umsatzes ist wiederkehrend (Verträge, Abos)?Vorhersagbarkeit und Stabilität
3Was sind die Top-10-Kunden und deren Umsatzanteil?Konzentrationsrisiko identifizieren
4Gibt es saisonale Schwankungen? In welchen Monaten?Liquiditätsplanung und Cashflow-Management
5Welche Produkte/Dienstleistungen haben die höchste Marge?Fokusprodukte identifizieren
6Wie hoch ist der Unterschied zwischen Gewinn und Cashflow?Qualität der Erträge prüfen

Kosten und Verbindlichkeiten

#FrageWarum wichtig
7Welche fixen und variablen Kosten gibt es?Kostenstruktur verstehen
8Bestehen langfristige Verbindlichkeiten (Kredite, Leasing)?Schuldenübernahme beim Share Deal
9Gibt es Rückstellungen oder Eventualverbindlichkeiten?Versteckte Risiken
10Sind alle Steuern bezahlt? Bestehen Risiken aus Betriebsprüfungen?Steuerliche Altlasten
11Welche privaten Kosten laufen über das Unternehmen?EBITDA-Bereinigung

2. Operative Fragen

Kunden und Markt

#FrageWarum wichtig
12Wie werden neue Kunden gewonnen?Abhängigkeit von Inhabernetzwerk vs. System
13Wie hoch ist die Kundenbindungsrate?Stabilität der Umsatzbasis
14Gibt es langfristige Kundenverträge? Wann laufen sie aus?Umsatzsicherheit nach Übernahme
15Was würden Kunden tun, wenn der Inhaber wechselt?Inhaberrisiko einschätzen
16Wer sind die Hauptwettbewerber und was ist der USP?Wettbewerbsposition verstehen

Mitarbeiter

#FrageWarum wichtig
17Wie viele Mitarbeiter gibt es? Welche Qualifikationen?Personalstruktur verstehen
18Wie hoch war die Fluktuation in den letzten 3 Jahren?Arbeitsklima und Bindung
19Wer sind die Schlüsselpersonen? Würden sie bleiben?Risiko des Know-how-Verlusts
20Gibt es laufende Arbeitsrechtsstreitigkeiten?Finanzielle Risiken
21Wie sind die Gehälter im Branchenvergleich?Kostenposition und Nachverhandlungspotenzial
22Bestehen betriebliche Altersvorsorge-Verpflichtungen?Langfristige Verbindlichkeiten

Prozesse und Systeme

#FrageWarum wichtig
23Welche IT-Systeme werden eingesetzt (ERP, CRM, Buchhaltung)?Modernisierungsbedarf und Datenqualität
24Sind Geschäftsprozesse dokumentiert?Übergabefähigkeit
25Gibt es ein Qualitätsmanagementsystem? Zertifizierungen?Professionalisierungsgrad
26Wie werden Angebote kalkuliert?Margentransparenz

3. Rechtliche Fragen

#FrageWarum wichtig
27Welche Rechtsform hat das Unternehmen?Haftung, Steuern, Kaufstruktur
28Bestehen gewerbliche Schutzrechte (Marken, Patente)?Intellectual Property sichern
29Gibt es laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten?Finanzielle Risiken
30Welche Genehmigungen und Lizenzen sind erforderlich?Betriebsfortführung sicherstellen
31Gibt es Umweltaltlasten oder Kontaminierungen?Sanierungspflicht und Haftung
32Wie lauten die wesentlichen Vertragsklauseln (Miet-, Liefer-, Kundenverträge)?Fortbestand und Kündigungsrisiken
33Besteht ein Wettbewerbsverbot für den Verkäufer?Schutz vor Konkurrenz durch den Altinhaber

4. Strategische Fragen

#FrageWarum wichtig
34Warum wird das Unternehmen verkauft?Das wahre Motiv kennen [3]
35Wie lange ist der Verkäufer bereit, in der Übergangsphase zu helfen?Übergaberisiko minimieren
36Welche unmittelbaren Investitionen sind nach dem Kauf nötig?Zusätzlichen Kapitalbedarf einplanen
37Was sind die größten Wachstumschancen?Wertsteigerungspotenzial identifizieren
38Was sind die drei größten Risiken für das Geschäft?Ehrliche Einschätzung des Verkäufers
39Wie sieht die Branche in 5–10 Jahren aus?Zukunftsfähigkeit bewerten
40Funktioniert das Geschäft auch ohne den aktuellen Inhaber?Die Schlüsselfrage für jeden Käufer

5. Praxisbeispiel: Due-Diligence-Fragebogen in Aktion

Ausgangssituation:

Lisa, 36, prüft den Kauf einer Physiotherapiepraxis mit 6 Therapeuten. Kaufpreis: 280.000 €.

Ausgewählte Fragen und Antworten:

FrageAntwortBewertung
Umsatzentwicklung 3 Jahre?+5 %, +3 %, +2 %✓ Wachsend, aber abflachend
Wiederkehrende Umsätze?60 % Stammkunden✓ Gute Basis
Top-Kunde > 20 %?Nein, max. 8 %✓ Diversifiziert
Mitarbeiterfluktuation?1 Wechsel in 3 Jahren✓ Sehr niedrig
Schlüsselpersonen bleiben?5 von 6 fest zugesagt✓ Übergabe gesichert
Prozesse dokumentiert?Teilweise⚠ Nachholbedarf
Investitionsbedarf?Neue Behandlungsliegen: ca. 15.000 €✓ Überschaubar
Mietvertrag?8 Jahre Restlaufzeit, ortsübliche Miete✓ Sicher
Warum Verkauf?Inhaber geht in Rente (63)✓ Nachvollziehbar
Funktioniert ohne Inhaber?Inhaber behandelt noch 20 h/Woche selbst⚠ Teilweise inhaberabhängig

Gesamteinordnung: Das Zielunternehmen wirkt grundsätzlich nachvollziehbar, zeigt aber eine erkennbare Inhaberabhängigkeit. Die Zusage von 5 Therapeuten reduziert dieses Risiko, ersetzt jedoch keine konkrete Übergabeplanung. Eine mögliche Konsequenz wäre, die Übernahme nur mit einer vertraglich sauber geregelten Übergabebegleitung weiterzuverfolgen.

Nachverhandlung basierend auf Due Diligence (Kalkulationsbeispiel):

Ursprünglicher Kaufpreis:        280.000 €
– Investitionsbedarf Liegen:      -15.000 €
– Risikopuffer Inhaberabhängigkeit: -10.000 €
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Verhandelter Kaufpreis:           255.000 € + 6 Monate Übergabebegleitung

Zusammenfassung und Einordnung

1. Systematisches Fragen ist meist hilfreicher als eine rein spontane Prüfung. Eine strukturierte Checkliste kann dabei helfen, Lücken in der Analyse zu vermeiden.

2. Die Frage „Funktioniert das Geschäft ohne den Inhaber?" ist oft besonders relevant. Sie hilft bei der Einordnung, ob vor allem ein übergabefähiges Unternehmen oder stark personenbezogene Arbeitsleistung übernommen wird.

3. Antworten sollten nach Möglichkeit verifiziert werden. Belege, Unterlagen und unabhängige Bestätigungen sind meist belastbarer als bloße Zusicherungen.

4. Die Verkaufsmotivation sollte nachvollziehbar sein. [2] Wenn der Hintergrund unklar bleibt, spricht das eher für zusätzliche Rückfragen und vertiefte Prüfung.

5. Zusätzliche Fragen sind häufig günstiger als übersehene Risiken. Im Zweifel ist eine vertiefte Prüfung meist sinnvoller als eine vorschnelle Zusage.

6. Due-Diligence-Ergebnisse können als Verhandlungsgrundlage dienen. Identifizierte Risiken und Investitionsbedarfe lassen sich oft sachlich in Preis- und Strukturgespräche übersetzen.

Quellen

  1. Mittelstandsbund Due Diligence (2025-06-01)
  2. Nachfolgemonitor – Empirische Studie zur Unternehmensnachfolge (2025-01-01)
  3. IfM Bonn – Unternehmensnachfolgen (Statistik) (2025-01-01)

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Transparenz-Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Zahlen und Werte basieren auf plausiblen Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten, marktüblichen Angaben und Kalkulationsbeispielen. Es wurden keine erfundenen Studienzitate oder Quellen verwendet. Der Artikel wurde mit Hilfe von KI-Unterstützung erstellt und durch die zuständige Fachredaktion von consultingrechner.de geprüft, überarbeitet und redaktionell freigegeben.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Rechts-, Steuer-, Anlage- oder Transaktionsberatung dar. Die genannten Beispiele, Bewertungsmethoden, Schwellenwerte und Einschätzungen sind vereinfachte Orientierungswerte. Sie können eine einzelfallbezogene Prüfung durch qualifizierte Fachberater nicht ersetzen. Ob eine konkrete Entscheidung wirtschaftlich, rechtlich, steuerlich oder strategisch sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls ab.