Budgetierung für Nicht-Techniker: Praxisleitfaden

Als Geschäftsführer oder Fachabteilungsleiter stehen Sie vor einer Herausforderung: Sie sollen ein Budget für ein Softwareprojekt freigeben, verstehen aber die technischen Details nicht im Detail. Wie schätzen Sie Kosten ein, ohne sich blind auf Anbieterangaben zu verlassen? Dieser Artikel bietet dafür eine strukturierte Orientierung.

1. Die Analogie-Methode: Vergleichen statt berechnen

Sie brauchen keine Codezeilen zu schätzen. Stattdessen können Vergleiche helfen:

Ihr Projekt ist vergleichbar mit…Typisches Budget
Einer Unternehmenswebsite (10–20 Seiten, CMS)10.000–40.000 €
Einem einfachen Online-Shop15.000–60.000 €
Einer Kunden-App (Login, Dashboard, Basisfunktionen)40.000–120.000 €
Einem internen Tool (Datenverwaltung, Workflows)30.000–100.000 €
Einer Plattform mit vielen Nutzern und Rollen80.000–300.000 €
Einem komplexen System mit Integrationen100.000–500.000+ €

Werte basieren auf Branchenschätzungen.

2. Die Feature-Zählung: Aufwand abschätzen ohne Code

Zählen Sie die Funktionen, die Ihre Software haben soll, und kategorisieren Sie sie:

KategorieBeschreibungUngefährer Aufwand pro Feature
EinfachKontaktformular, statische Seite, einfache Liste1–3 Tage
MittelLogin-System, Suchfunktion, Benachrichtigungen3–8 Tage
KomplexBezahlsystem, Reportings, Workflows8–20 Tage
Sehr komplexERP-Integration, Echtzeit-Daten, KI-Features15–40+ Tage

Aufwände basieren auf Praxiserfahrungswerten.

Schnellkalkulation:

Geschätztes Budget = Anzahl Features × Durchschnittsaufwand × 100 €/h [3] × 8 h/Tag × 1,5 (PM + QA + Puffer)

Beispiel:

  • 5 einfache Features (à 2 Tage) = 10 Tage
  • 4 mittlere Features (à 5 Tage) = 20 Tage
  • 2 komplexe Features (à 12 Tage) = 24 Tage
  • Gesamt: 54 Tage × 800 €/Tag × 1,5 = 64.800 €

Kalkulationsbeispiel mit vereinfachten Annahmen.

3. Die 5-Fragen-Methode für Nicht-Techniker

Beantworten Sie diese fünf Fragen, um die Größenordnung einzuschätzen:

Frage 1: Wie viele verschiedene Nutzertypen gibt es?

  • 1 Nutzertyp (z. B. nur Kunden): Einfacher
  • 2–3 Nutzertypen (z. B. Kunden, Mitarbeiter, Admin): Mittel
  • 4+ Nutzertypen mit verschiedenen Berechtigungen: Komplex

Frage 2: Sind externe Systeme anzubinden?

  • Keine Integration: Einfacher
  • 1–2 Integrationen (z. B. E-Mail, Payment): Mittel (+10.000–20.000 €)
  • 3+ Integrationen (ERP, CRM, etc.): Komplex (+20.000–80.000 €)

Frage 3: Wie viele verschiedene „Bildschirme" braucht die Anwendung?

  • Unter 10 Ansichten: Einfach
  • 10–30 Ansichten: Mittel
  • 30+ Ansichten: Komplex

Frage 4: Gibt es besondere Anforderungen (Sicherheit, Compliance, Mehrsprachigkeit)?

  • Keine besonderen Anforderungen: Standard
  • 1–2 besondere Anforderungen: +15–30 % auf das Basisbudget
  • Regulierte Branche (Finanzen, Gesundheit): +20–50 % auf das Basisbudget

Frage 5: Ist eine Übernahme bestehender Daten vorgesehen?

  • Nein: Kein Zusatzaufwand
  • Ja, aus einer Quelle: +5.000–15.000 €
  • Ja, aus mehreren Quellen: +10.000–40.000 €

Die Kosten- und Aufwandsangaben der 5-Fragen-Methode basieren auf Branchenschätzungen.

4. Rote Flaggen in Angeboten erkennen (ohne technisches Wissen)

WarnsignalWas es bedeutet
Angebot ohne Aufwandsschätzung in Tagen/StundenKeine Grundlage für Nachvollziehbarkeit
Kein Testing erwähntQualitätssicherung fehlt
Kein PM enthaltenEigene Koordination wird erforderlich
Unrealistisch kurze ZeitschätzungEntweder wird der Scope nicht verstanden oder Qualität leidet
Preis liegt >50 % unter anderen AngebotenEtwas fehlt oder wird bewusst niedrig kalkuliert
Keine Fragen vom AnbieterEr hat die Anforderungen nicht verstanden
Kein Wort über Wartung/SupportNur Entwicklung, kein Betrieb

5. Praxisbeispiel: Der Geschäftsführer und das Kundenportal

Herr Müller, Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens, braucht ein Kundenportal. Er hat kein technisches Wissen.

Schritt 1: Analogie

„Vergleichbar mit einem Kunden-Dashboard mit Login" → 40.000–120.000 €

Schritt 2: Feature-Zählung

FeatureKategorie
Login und BenutzerverwaltungMittel
Projektübersicht (Dashboard)Mittel
Dokumenten-Upload und -DownloadMittel
NachrichtensystemMittel
RechnungsübersichtKomplex (ERP-Anbindung)
Admin-BereichMittel

5 mittlere Features (à 5 Tage = 25 Tage) + 1 komplexes (12 Tage) = 37 Tage

37 × 800 €/Tag × 1,5 = 44.400 €

Schritt 3: 5-Fragen-Check

  • 3 Nutzertypen (Kunde, Berater, Admin) → Mittel
  • 1 Integration (ERP) → +15.000 €
  • ~15 Ansichten → Mittel
  • Keine besonderen regulatorischen Anforderungen
  • Datenmigration aus altem System → +8.000 €

Ergebnis: Budget-Rahmen 55.000–75.000 €

Eingeholtes Angebot: 68.000 € → Liegt im erwarteten Rahmen.

Herr Müller kann nun fundiert entscheiden und auf Augenhöhe mit dem Anbieter verhandeln.

Fazit und Einordnung

1. Vergleiche und Feature-Zählung können eine erste Größenordnung liefern: Dafür ist kein tiefes technisches Detailwissen zwingend erforderlich.

2. Die fünf Schlüsselfragen helfen bei der Strukturierung: Sie decken zentrale Kostentreiber in verständlicher Form ab.

3. Mehrere Angebote verbessern die Plausibilitätsprüfung: Wenn möglich, erhöht ein Vergleich die Aussagekraft der Einschätzung.

4. Warnsignale sollten bewusst eingeordnet werden: Extrem günstige Angebote oder fehlende Positionen können auf Risiken hindeuten.

5. Nachfragen ist oft belastbarer als Raten: Seriöse Anbieter sollten Rückfragen verständlich beantworten können.

Quellen

  1. GULP Stundensatzkalkulator (2025-06-01)
  2. Bitkom Digitalbranche (2025-06-01)
  3. StepStone – Gehälter IT-Softwareentwickler/in (2026-01-01)

Schlagwörter zu diesem Artikel

Transparenz-Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Zahlen und Werte basieren auf plausiblen Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten, marktüblichen Angaben und Kalkulationsbeispielen. Es wurden keine erfundenen Studienzitate oder Quellen verwendet. Der Artikel wurde mit Hilfe von KI-Unterstützung erstellt und durch die zuständige Fachredaktion von consultingrechner.de geprüft, überarbeitet und redaktionell freigegeben.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Rechts-, Steuer-, Anlage- oder Transaktionsberatung dar. Die genannten Beispiele, Bewertungsmethoden, Schwellenwerte und Einschätzungen sind vereinfachte Orientierungswerte. Sie können eine einzelfallbezogene Prüfung durch qualifizierte Fachberater nicht ersetzen. Ob eine konkrete Entscheidung wirtschaftlich, rechtlich, steuerlich oder strategisch sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls ab.