Was in den endgültigen Kostenvoranschlag wirklich einfließt

Wenn ein Dienstleister einen Tagessatz von 1.200 € aufruft, fragen sich viele Auftraggeber: „Wofür genau bezahle ich?" Die Antwort liegt in den Gemeinkosten – den indirekten Kosten, die in jeden Preis einfließen, aber selten transparent aufgeschlüsselt werden. Dieser Artikel macht die Kostenstruktur hinter Entwicklerpreisen nachvollziehbar.

1. Was sind Gemeinkosten (Overhead)?

Gemeinkosten sind alle Kosten, die nicht direkt einer einzelnen Projektstunde zugeordnet werden können, aber für den Geschäftsbetrieb des Dienstleisters notwendig sind.

KostenkategorieBeispiele
PersonalgemeinkostenUrlaub, Krankheit, Weiterbildung, nicht-fakturierbare Zeit
SachgemeinkostenBüro, Hardware, Software-Lizenzen, Internet
VerwaltungsgemeinkostenBuchhaltung, Geschäftsführung, HR, Vertrieb
ProjektgemeinkostenPM-Anteil, interne Abstimmung, Qualitätsmanagement

2. Wie Dienstleister kalkulieren

Kalkulation einer Agentur

PositionMonatlich pro Entwickler
Bruttogehalt Entwickler [5]5.500 €
Arbeitgebernebenkosten (21 %)1.155 €
Anteilige Gemeinkosten (Büro, Tools, Admin)1.500–2.500 €
Nicht-fakturierbare Zeit (Urlaub, Krankheit, intern)~25 % der Arbeitszeit
Vollkosten pro Entwicklerca. 10.500–12.000 €/Monat

Kalkulationsbeispiel mit vereinfachten Annahmen.

Bei 130–140 fakturierbaren Stunden pro Monat ergibt sich ein Selbstkostensatz von ca. 75–86 €/h. Darauf kommen Gewinnmarge und Risikozuschlag.

Typische Aufschlagsstruktur

Selbstkosten (Gehalt + Nebenkosten):        65 €/h
+ Gemeinkosten-Zuschlag (40–60 %):          26–39 €/h
= Vollkosten:                                91–104 €/h
+ Gewinnmarge (10–20 %):                     9–21 €/h [4]
+ Risikozuschlag (5–10 %):                   5–10 €/h
= Verkaufspreis:                            105–135 €/h

Kalkulationsbeispiel mit vereinfachten Annahmen.

Kalkulation eines Freelancers

PositionJährlich
Gewünschtes Nettoeinkommen60.000 €
Steuern und Sozialabgaben25.000 €
Betriebskosten (Büro, Hardware, Software)8.000 €
Weiterbildung3.000 €
Akquise und nicht-fakturierbare Zeit15.000 € (entspricht ~2,5 Monaten)
Rücklagen und Versicherungen10.000 €
Nötiger Jahresumsatz121.000 €
÷ Fakturierbare Stunden (~1.200 h)
= Stundensatz~101 €/h

Kalkulationsbeispiel mit vereinfachten Annahmen.

3. Gemeinkostenquoten im Branchenvergleich

AnbietertypTypische Gemeinkostenquote
Solo-Freelancer20–35 %
Kleine Agentur (5–15 Mitarbeiter)35–50 %
Mittelgroße Agentur (15–50 Mitarbeiter)45–65 %
Großer IT-Dienstleister (100+ Mitarbeiter)60–80 %
Beratungsunternehmen (Big 4, etc.)70–100 %

Werte basieren auf Branchenschätzungen.

Je größer die Organisation, desto höher die Gemeinkosten – aber auch desto umfassender die inkludierten Leistungen (PM, QA, Infrastruktur, Support).

4. Was die Gemeinkostenquote für Auftraggeber bedeutet

Höhere Gemeinkosten ≠ schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis

Ein höherer Tagessatz bei einer Agentur kann trotzdem wirtschaftlich sein, wenn dafür Leistungen enthalten sind, die Sie bei einem Freelancer separat organisieren würden:

LeistungFreelancerAgentur
EntwicklungIm StundensatzIm Tagessatz
ProjektmanagementSie selbst oder extraEnthalten
QA/TestingExtra beauftragenOft enthalten
Vertretung bei KrankheitNicht verfügbarIn der Regel gesichert
Code-ReviewExtra organisierenTeaminterner Prozess
Infrastruktur/DevOpsExtra beauftragenOft enthalten

5. Praxisbeispiel: Preisvergleich mit Gemeinkostenanalyse

Ein Unternehmen erhält drei Angebote für eine Web-Applikation (geschätzter Aufwand: 60 Tage):

PositionFreelancer (95 €/h)Kleine Agentur (130 €/h)Großer Dienstleister (165 €/h)
Entwicklung (60 Tage × 8h)45.600 €62.400 €79.200 €
PM (durch Auftraggeber / enthalten)6.000 € (intern)EnthaltenEnthalten
QA/Testing (extra / enthalten)5.000 € (extra)EnthaltenEnthalten
Code-Review3.000 € (extra)EnthaltenEnthalten
VertretungsrisikoHoch (nicht kalkulierbar)GeringSehr gering
Vergleichbare Gesamtkosten59.600 € + Risiko62.400 €79.200 €

Kalkulationsbeispiel mit vereinfachten Annahmen.

Die Kleine Agentur ist in diesem Fall nur marginal teurer als der Freelancer, bietet aber mehr Sicherheit und weniger eigenen Aufwand.

Fazit und Einordnung

1. Die Kostenstruktur des Anbieters sollte nachvollzogen werden: Relevant ist, welche Leistungen im Preis enthalten sind und welche nicht.

2. Gesamtpakete sind aussagekräftiger als reine Stundensätze: Ein höherer Satz mit inkludiertem PM und QA kann wirtschaftlich sinnvoller sein als ein niedriger Satz plus Zusatzkosten.

3. Gemeinkosten können sachlich begründet sein: Sie finanzieren häufig Qualitätssicherung, Wissensmanagement und Betriebssicherheit.

4. Extrem niedrige Preise verdienen genauere Prüfung: Unterdeckte Leistungen oder spätere Zusatzkosten können ein Risiko darstellen.

5. Auch eigene Gemeinkosten sollten mitbewertet werden: Interne PM-Zeit, Abstimmungsaufwand und Infrastruktur wirken sich wirtschaftlich ebenfalls aus.

Quellen

  1. GULP Stundensatzkalkulator (2025-06-01)
  2. Freelancer-Kompass 2025 (2025-09-01)
  3. Destatis Arbeitskosten (2025-06-01)
  4. Deutsche Bundesbank – Unternehmensabschlüsse / Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen (2025-06-01)
  5. StepStone – Gehälter IT-Softwareentwickler/in (2026-01-01)

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Transparenz-Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Zahlen und Werte basieren auf plausiblen Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten, marktüblichen Angaben und Kalkulationsbeispielen. Es wurden keine erfundenen Studienzitate oder Quellen verwendet. Der Artikel wurde mit Hilfe von KI-Unterstützung erstellt und durch die zuständige Fachredaktion von consultingrechner.de geprüft, überarbeitet und redaktionell freigegeben.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Rechts-, Steuer-, Anlage- oder Transaktionsberatung dar. Die genannten Beispiele, Bewertungsmethoden, Schwellenwerte und Einschätzungen sind vereinfachte Orientierungswerte. Sie können eine einzelfallbezogene Prüfung durch qualifizierte Fachberater nicht ersetzen. Ob eine konkrete Entscheidung wirtschaftlich, rechtlich, steuerlich oder strategisch sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls ab.