Einleitung

Ein Earn-Out ist eine Kaufpreiskomponente, die an die zukünftige Geschäftsentwicklung gekoppelt wird. Es überbrückt die Bewertungslücke zwischen Käufer und Verkäufer, indem es einen Teil des Risikos teilt. Im DACH-Raum enthalten schätzungsweise 30–50 % aller KMU-Transaktionen eine Earn-Out-Komponente [1] [4].


1. Funktionsweise und Gestaltungsvarianten

ElementTypische Gestaltung
Anteil am Kaufpreis10–40 %
BezugsgrößeEBITDA, Umsatz, Gewinn oder spezifische KPIs
Laufzeit1–3 Jahre
AuszahlungJährlich oder am Ende der Earn-Out-Periode
Floor / CapMindest- und Höchstbetrag

Die Werte in dieser Tabelle basieren auf Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten und marktüblichen Angaben.

Rechenbeispiel

Kaufpreis gesamt:      1.000.000 €
Festkaufpreis:           700.000 € (70 %)
Earn-Out:                bis 300.000 € (30 %)
Bezugsgröße:            EBITDA
Laufzeit:               2 Jahre
Mechanik:               15 % des EBITDA über 200.000 € p.a.

Jahr 1: EBITDA = 280.000 € → Earn-Out: (280.000 – 200.000) × 15 % = 12.000 €
Jahr 2: EBITDA = 350.000 € → Earn-Out: (350.000 – 200.000) × 15 % = 22.500 €
Gesamt Earn-Out: 34.500 €
Gesamtkaufpreis: 734.500 €

2. Vor- und Nachteile

PerspektiveVorteileNachteile
KäuferRisikoreduzierung, weniger sofortiges Kapital nötigKomplexe Berechnung, Konfliktpotenzial
VerkäuferHöherer Gesamtpreis möglichUnsichere Zahlung, Abhängigkeit vom neuen Management

3. Häufige Fehler und Konfliktquellen [2]

FehlerKonsequenzVermeidung
Unklare BezugsgrößenStreit über BerechnungExakte Definition im Vertrag (z. B. EBITDA nach welchem Standard)
Käufer beeinflusst KPIs negativVerkäufer erhält wenigerSchutzmechanismen (keine kostenerhöhenden Maßnahmen ohne Zustimmung)
Keine unabhängige PrüfungManipulation möglichUnabhängiger Wirtschaftsprüfer bestätigt Earn-Out-Berechnung
Zu lange LaufzeitDauerhafte Bindung und KonflikteMaximal 2–3 Jahre
Kein Floor und CapUnbegrenzte RisikenImmer Mindest- und Höchstbeträge vereinbaren

4. Steuerliche Behandlung

LandKäuferVerkäufer
DeutschlandEarn-Out erhöht nachträglich die AnschaffungskostenBesteuerung bei Zufluss (Teileinkünfteverfahren oder § 8b KStG) [3]
ÖsterreichÄhnlich wie DEKESt bei Zufluss
SchweizKaufpreisanpassungGrundsätzlich steuerfrei im Privatvermögen

5. Praxisbeispiel: Earn-Out bei unterschiedlichen Bewertungsvorstellungen

Verkäufer verlangt 1.200.000 € (6x EBITDA), Käufer bietet 800.000 € (4x EBITDA)

Kompromiss mit Earn-Out (Kalkulationsbeispiel):

  • Festkaufpreis: 900.000 €
  • Earn-Out: Bis zu 300.000 € über 2 Jahre, basierend auf EBITDA ≥ 220.000 €
  • Ergebnis: Käufer zahlt 900.000–1.200.000 € je nach Geschäftsentwicklung

Zusammenfassung und Einordnung

1. Earn-Outs können ein sinnvolles Instrument zur Überbrückung von Bewertungsdifferenzen sein. Sie verteilen Teile des Risikos zwischen Käufer und Verkäufer.

2. Klare und messbare KPIs sind meist besonders wichtig. EBITDA nach einem definierten Standard ist eine häufig genutzte Bezugsgröße.

3. Eine unabhängige Prüfung kann Konflikte reduzieren. Ob ein Wirtschaftsprüfer eingebunden werden sollte, hängt von Dealgröße und Streitpotenzial ab.

4. Die Laufzeit sollte sorgfältig gewählt werden. Zeiträume von 2–3 Jahren sind häufig praktikabler als sehr lange Earn-Out-Phasen.

5. Schutzmechanismen für den Verkäufer können sinnvoll sein. Sie sollen verhindern, dass KPIs nach dem Closing einseitig beeinflusst werden.

Quellen

  1. Dealsuite M&A Monitor 2025 (2025-08-01)
  2. Gesetze im Internet – Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) (2026-01-01)
  3. Gesetze im Internet – Einkommensteuergesetz (EStG) (2026-01-01)
  4. Nachfolgemonitor – Empirische Studie zur Unternehmensnachfolge (2025-01-01)

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