Einleitung

Viele attraktive Unternehmensübernahmen werden nicht öffentlich auf Marktplätzen angeboten. Schätzungsweise 50–70 % aller KMU-Transaktionen im DACH-Raum finden off-market statt [1] [2]. Wer nur öffentlich sucht, übersieht unter Umständen zusätzliche Gelegenheiten und trifft häufiger auf Wettbewerb.


1. Warum off-market?

Vorteil off-marketErklärung
Weniger WettbewerbKein Bieterwettbewerb drückt den Preis
Bessere KonditionenVerkäufer sind oft verhandlungsbereiter
VertrauensbasisPersönliche Beziehung erleichtert Transaktion
Mehr ZeitKein öffentlicher Zeitdruck
DiskretionMitarbeiter, Kunden und Wettbewerber erfahren nichts

2. Die sieben besten Off-Market-Kanäle

Kanal 1: Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

Steuerberater kennen die finanzielle Situation ihrer Mandanten und wissen, wer Nachfolgeprobleme hat.

Strategie: 10–15 Steuerberater in der Zielregion kontaktieren. Kooperationsangebot: Vermittlungsprovision (1–3 % des Kaufpreises) bei erfolgreichem Abschluss.

Kanal 2: Banken (Firmenkundenbetreuer)

Firmenkundenbetreuer wissen, welche Kunden einen Nachfolger suchen.

Strategie: Hausbankbeziehung aufbauen, Suchprofil hinterlegen, regelmäßiger Kontakt.

Kanal 3: IHK und Handwerkskammern

Die Kammern betreiben Nachfolgebörsen und beraten Übergeber. [4]

Strategie: Nachfolgesprechtage besuchen, als Kaufinteressent registrieren.

Kanal 4: Branchenverbände und Innungen

Branchenspezifische Netzwerke kennen Marktentwicklungen und Inhaberwechsel.

Strategie: Mitgliedschaft, Veranstaltungsbesuche, aktive Vernetzung.

Kanal 5: Direktansprache (proaktiv)

Systematische Identifikation und Ansprache von Unternehmensinhabern.

Vorgehen:

1. Zielunternehmen über Handelsregister, Branchenverzeichnisse identifizieren

2. Inhaberalter und -situation recherchieren (LinkedIn, XING) [5]

3. Persönliches Anschreiben mit konkretem Interesse

4. Rücklaufquote: 2–5 % bei Erstanschreiben

Kanal 6: Insolvenzverwalter

Insolvenzverwalter suchen aktiv Käufer für Unternehmen oder Assets.

Strategie: Beziehung zu 3–5 großen Insolvenzkanzleien in der Region aufbauen, als Kaufinteressent registrieren.

Kanal 7: Netzwerk (Multiplikatoren)

MultiplikatorWarum relevant
Ehemalige KollegenKennen die Branche
LieferantenWissen, welche Kunden Probleme haben
UnternehmensberaterBegleiten Nachfolgeprozesse
WirtschaftsfördererInteressiert an Standortsicherung
Rechtsanwälte (Gesellschaftsrecht)Begleiten Transaktionen

3. Systematische Off-Market-Suche

Suchprofil erstellen

KriteriumBeispiel
BrancheIT-Dienstleistungen, Handwerk, Produktion
RegionRadius 100 km um Hauptstandort
Umsatzgröße1–5 Mio. €
EBITDA> 150.000 €
Kaufpreis500.000–2.000.000 €
Mitarbeiterzahl10–50
AusschlusskriterienHohe Inhaberabhängigkeit, Immobilienlastigkeit

Aktivitätsplan

AktivitätHäufigkeitZeitaufwand
Steuerberater kontaktieren2–3/Monat3 h/Monat
Branchenveranstaltungen1–2/Quartal8 h/Quartal
LinkedIn-Recherche und AnspracheWöchentlich2 h/Woche
IHK-Nachfolgebörse prüfenMonatlich1 h/Monat
Direktanschreiben versenden10–20/Monat4 h/Monat
Gesamtaufwandca. 6 h/Woche

4. Rechenbeispiel: Preisunterschied on-market vs. off-market

Vergleich (Kalkulationsbeispiel)

AspektOn-Market (Marktplatz/Makler)Off-Market (Direktkontakt)
Kaufpreis (bei gleichem EBITDA von 200.000 €)900.000 € (4,5x EBITDA) [3]700.000 € (3,5x EBITDA)
Maklerprovision45.000 € (5 % auf Käuferseite)0 €
Wettbewerb3–5 InteressentenAlleinverhandlung
Verhandlungsspielraum5–10 %15–25 %
Effektive Gesamtkosten945.000 €700.000 €
Ersparnis off-market245.000 € (26 %)

5. Praxisbeispiel: Off-Market-Kauf über Steuerberater-Netzwerk

Ausgangssituation:

Tobias, 41, sucht ein IT-Systemhaus in Süddeutschland. Budget: 500.000–1.200.000 €.

Suchverlauf (Kalkulationsbeispiel):

MonatAktivitätErgebnis
1–212 Steuerberater kontaktiert, Suchprofil hinterlegt2 haben Mandanten mit Nachfolgebedarf
3IHK-Nachfolgebörse, 3 Online-Plattformen4 Inserate geprüft, keins passend
4Steuerberater meldet passenden MandantenIT-Systemhaus, 15 MA, Inhaber 62
5–6Erstgespräch, NDA, erste UnterlagenPasst zum Suchprofil
7–8Due DiligenceErgebnis positiv
9VerhandlungEinigung bei 850.000 €
10ClosingÜbergabe

Kosten der Suche:

  • Vermittlungsprämie Steuerberater: 15.000 € (ca. 1,8 % des Kaufpreises)
  • Eigener Zeitaufwand: ca. 250 Stunden über 10 Monate
  • Gesamtkosten: 15.000 € + eigene Zeit

Vergleich mit On-Market: Ein ähnliches IT-Systemhaus auf DUB.de wurde für 1.050.000 € angeboten (4,9x EBITDA statt 4,0x). Differenz: 200.000 €.


Zusammenfassung und Einordnung

1. Eine Off-Market-Suche kann sich häufig lohnen. Weniger Wettbewerb und ein direkterer Zugang zu Übergebern können die Ausgangslage verbessern.

2. Steuerberater sind oft ein relevanter Kanal. Sie kennen Nachfolgesituationen ihrer Mandanten häufig frühzeitig und genießen meist Vertrauen.

3. Geduld bleibt wichtig. Eine Off-Market-Suche dauert häufig mehrere Monate; schnelle Abschlüsse sind eher die Ausnahme.

4. Ein klares Suchprofil erleichtert die Ansprache. Je verständlicher Branche, Region und Zielgröße beschrieben sind, desto zielgerichteter können Hinweise ausfallen.

5. Vermittlungsprovisionen können ein sinnvoller Anreiz sein. Ob 1–3 % des Kaufpreises angemessen sind, hängt von Dealgröße, Suchaufwand und Marktumfeld ab.

6. On-Market- und Off-Market-Suche können sich ergänzen. Eine parallele Suche erhöht meist die Transparenz über das verfügbare Angebot.

Quellen

  1. DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 (2025-08-01)
  2. KfW Nachfolge-Monitoring 2026 (2026-01-01)
  3. Dealsuite M&A Monitor 2025 (2025-08-01)
  4. nexxt-change – Unternehmensbörse (BMWK, DIHK, KfW) (2026-01-01)
  5. IfM Bonn – Unternehmensnachfolgen (Statistik) (2025-01-01)

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