Einleitung

Soll man einen Unternehmensmakler (M&A-Berater) beauftragen oder direkt nach Kaufobjekten suchen? Beide Wege haben unterschiedliche Vor- und Nachteile hinsichtlich Kosten, Deal-Zugang und Prozessaufwand [1][2].


1. Vergleich der beiden Wege

KriteriumÜber Makler/M&A-BeraterDirektkauf (ohne Makler)
Kosten3–8 % des Kaufpreises0 % Provision (nur eigene Beratungskosten)
Zugang zu DealsExklusive Mandate, Off-MarketNur öffentliche Angebote + eigenes Netzwerk [4]
Qualität der VorauswahlVorgeprüfte UnternehmenKeine Filterung
VerhandlungsunterstützungProfessionellEigenleistung
Zeitaufwand (Käufer)GeringHoch (6 h/Woche+)
BewertungsexpertiseInklusiveMuss extern eingekauft werden
VertraulichkeitProfessionelles NDA-ManagementSelbst organisieren
InteressenkonflikteMöglich (Provisionsinteresse)Keine

Die Werte in dieser Tabelle basieren auf Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten und marktüblichen Angaben.


2. Wann welcher Weg?

SituationEmpfehlungBegründung
Kaufpreis < 300.000 €DirektkaufMaklerprovision unverhältnismäßig
Kaufpreis 300.000–1.000.000 €SituativMakler nur bei spezifischer Branche
Kaufpreis > 1.000.000 €M&A-Berater empfohlenKomplexität und Risiko rechtfertigen Kosten
Erstkäufer ohne ErfahrungM&A-BeraterUnterstützung im gesamten Prozess
Erfahrener UnternehmerDirektkauf möglichEigene Expertise vorhanden
Spezifische Branche gesuchtSpezialisierter MaklerBranchenkenntnis und Netzwerk

3. Kostenvergleich (Kalkulationsbeispiel)

Szenario: Kauf eines Unternehmens für 800.000 €

KostenpositionMit MaklerOhne Makler
Makler/M&A-Berater40.000 € (5 %)0 €
UnternehmensbewertungIn Maklerleistung enthalten10.000 €
Rechtsanwalt10.000 €15.000 € (mehr Eigenarbeit)
Steuerberater8.000 €8.000 €
Eigener Zeitaufwand (bewertet mit 100 €/h)50 h = 5.000 €300 h = 30.000 €
Gesamtkosten63.000 €63.000 €

Einordnung: Die Gesamtkosten sind in diesem Beispiel vergleichbar; die Maklergebühr wird durch den höheren eigenen Zeitaufwand beim Direktkauf teilweise kompensiert. Ein möglicher Vorteil des Maklers liegt im Deal-Zugang und in der Verhandlungsunterstützung, deren Wert jedoch vom konkreten Mandat abhängt.


4. Praxisbeispiel

Ausgangssituation:

Ingrid, 43, sucht ein Unternehmen in der Lebensmittelbranche (Budget: 600.000–1.200.000 €).

Ihr Weg:

1. Drei Monate Eigensuche (Online-Plattformen, IHK) [3] → 2 interessante, aber überteuerte Angebote

2. Beauftragung eines auf Lebensmittel spezialisierten M&A-Beraters (Retainer: 5.000 € + 5 % Erfolgsprovision)

3. Berater präsentiert 4 Off-Market-Kandidaten innerhalb von 8 Wochen

4. Kauf einer Bäckereikette für 850.000 € (vom Berater als 3,8x EBITDA bewertet)

5. Provisionskosten: 5.000 + 42.500 = 47.500 €

Ingrids Einordnung: Aus ihrer Sicht war die Provision nachvollziehbar, weil Off-Market-Zugang und Verhandlungsunterstützung den Preis und den Prozess positiv beeinflusst haben könnten.


Zusammenfassung und Einordnung

1. Ein spezialisierter M&A-Berater kann ab mittleren Kaufpreisgrößen sinnvoll sein. Ob sich die Kosten rechnen, hängt von Deal-Komplexität, Branchenzugang und eigener Erfahrung ab.

2. Das Vergütungsmodell sollte sorgfältig gewählt werden. Retainer und Erfolgshonorar können Interessen ausbalancieren, müssen aber nicht in jeder Konstellation optimal sein.

3. Bei kleineren Deals kann der Direktkauf wirtschaftlich naheliegen. Die Maklerprovision wirkt dort häufig im Verhältnis zum Kaufpreis stärker.

4. Branchenspezialisierung ist oft wichtiger als reine Größe des Beraters. Ein kleiner spezialisierter Anbieter kann in bestimmten Nischen mehr Mehrwert bieten als ein Generalist.

5. Eine eigene Bewertung bleibt sinnvoll, auch wenn der Makler eine liefert. Provisionsinteressen können die Perspektive des Beraters mitprägen.

Quellen

  1. Dealsuite M&A Monitor 2025 (2025-08-01)
  2. DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 (2025-08-01)
  3. nexxt-change – Unternehmensbörse (BMWK, DIHK, KfW) (2026-01-01)
  4. IfM Bonn – Unternehmensnachfolgen (Statistik) (2025-01-01)

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