Einleitung

Die Bewertung eines Unternehmens ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine fundierte Einschätzung, die je nach Methode zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Käufer sind oft gut beraten, zwei bis drei Methoden parallel zu prüfen, um eine belastbare Preisspanne einzugrenzen.


1. Übersicht der Bewertungsmethoden

MethodeAnsatzGeeignet fürKomplexität
EBITDA-MultipleVergleichswertProfitable KMUNiedrig
Discounted Cashflow (DCF)ErtragswertWachstumsunternehmenHoch
SubstanzwertVermögenswertAnlagenintensive BetriebeNiedrig–Mittel
Ertragswertverfahren (IDW S1)ErtragswertStandard in DE/ATHoch
Umsatz-MultipleVergleichswertSaaS, BeratungNiedrig
LiquidationswertVerwertungswertInsolvenz, VerlustunternehmenNiedrig
PraktikermethodeMischverfahrenKMU, ArztpraxenMittel

2. EBITDA-Multiple-Methode

Formel

Unternehmenswert = Bereinigtes EBITDA × Branchenmultiple

Typische Multiples nach Branche

BrancheMultiple-SpanneEinflussfaktoren
Handwerk2–4xInhaberabhängigkeit, Auftragslage
IT-Dienstleistungen4–7x [1]Wiederkehrende Umsätze, Skalierbarkeit
Produktion3–6xMaschinenpark, Marktposition
Gastronomie2–3xStandort, Mietvertrag
SaaS6–12x [2]ARR, Churn Rate, Wachstum
Beratung3–5x [3]Kundenbindung, Mitarbeiter
Arztpraxen4–8xKassensitz, Patientenstamm

Die Werte in dieser Tabelle basieren auf Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten und marktüblichen Angaben. [4] [6]

Rechenbeispiel (Kalkulationsbeispiel)

Bereinigtes EBITDA:        300.000 €
Branchenmultiple (IT):     5x
Unternehmenswert:          1.500.000 €
– Nettofinanzverbindlichkeiten: -200.000 €
= Equity Value:            1.300.000 €

3. Discounted Cashflow (DCF)

Formel

Unternehmenswert = Σ (FCF_t / (1 + WACC)^t) + Terminal Value / (1 + WACC)^n

Vereinfachtes Beispiel (Kalkulationsbeispiel)

JahrFree CashflowDiskontfaktor (10 %)Barwert
1150.000 €0,909136.350 €
2165.000 €0,826136.290 €
3180.000 €0,751135.180 €
4195.000 €0,683133.185 €
5210.000 €0,621130.410 €
Terminal Value2.100.000 € (10x FCF Jahr 5)0,6211.304.100 €
Unternehmenswert1.975.515 €

4. Substanzwert und Praktikermethode

Substanzwert [5]

Substanzwert = Summe aller Vermögensgegenstände (Zeitwert) – Verbindlichkeiten

Praktikermethode (Stuttgarter Verfahren – vereinfacht)

Unternehmenswert = (Substanzwert + 2 × Ertragswert) / 3

Beispiel (Kalkulationsbeispiel):

Substanzwert: 400.000 €
Ertragswert (nachhaltige Erträge / Kapitalisierungszins): 800.000 €
Praktikerwert = (400.000 + 2 × 800.000) / 3 = 666.667 €

5. Praxisbeispiel: Drei Methoden, ein Unternehmen

Ingenieurbüro mit 12 Mitarbeitern (Kalkulationsbeispiel):

MethodeBerechnungErgebnis
EBITDA-Multiple (4x)250.000 × 41.000.000 €
DCF (10 % WACC)Barwert der FCFs + Terminal Value1.150.000 €
SubstanzwertAssets – Verbindlichkeiten350.000 €
Praktikermethode(350.000 + 2 × 1.000.000) / 3783.000 €
Bewertungsspanne783.000–1.150.000 €

Mögliche Verhandlungsbasis: Der Mittelwert der Ertragswertmethoden (EBITDA-Multiple und DCF) ergibt hier ca. 1.075.000 €. Der Substanzwert kann zusätzlich als Referenzpunkt dienen.


Zusammenfassung und Einordnung

1. Mehrere Methoden parallel zu nutzen ist oft sinnvoll. Einzelne Verfahren können systematisch höhere oder niedrigere Werte liefern.

2. Das EBITDA-Multiple ist für KMU häufig ein pragmatischer Ausgangspunkt. Es ist vergleichsweise einfach, nachvollziehbar und im Markt verbreitet.

3. Der DCF bietet eine theoretisch fundierte Perspektive, reagiert aber empfindlich auf Annahmen zu Wachstum und Diskontierung.

4. Der Substanzwert kann als zusätzlicher Referenzwert dienen. Wie stark er in die Preisfindung einfließt, hängt vom Geschäftsmodell und der Ertragskraft ab.

5. Die Qualität des bereinigten EBITDA bleibt zentral. Die Aussagekraft jeder Bewertung hängt stark von der zugrunde liegenden Datenbereinigung ab.

6. Eine professionelle Bewertung kann ab mittleren Kaufpreisgrößen sinnvoll sein. Ob sie sich wirtschaftlich rechnet, hängt von Kaufpreis, Komplexität und Verhandlungslage ab.

Quellen

  1. DUB KMU Multiples (2025-06-01)
  2. Exit Coach – EBITDA Multiples (2025-10-01)
  3. Dealsuite M&A Monitor 2025 (2025-08-01)
  4. Nachfolgemonitor – Empirische Studie zur Unternehmensnachfolge (2025-01-01)
  5. Deutsche Bundesbank – Unternehmensabschlüsse / Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen (2025-06-01)
  6. IfM Bonn – Unternehmensnachfolgen (Statistik) (2025-01-01)

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Transparenz-Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Zahlen und Werte basieren auf plausiblen Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten, marktüblichen Angaben und Kalkulationsbeispielen. Es wurden keine erfundenen Studienzitate oder Quellen verwendet. Der Artikel wurde mit Hilfe von KI-Unterstützung erstellt und durch die zuständige Fachredaktion von consultingrechner.de geprüft, überarbeitet und redaktionell freigegeben.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Rechts-, Steuer-, Anlage- oder Transaktionsberatung dar. Die genannten Beispiele, Bewertungsmethoden, Schwellenwerte und Einschätzungen sind vereinfachte Orientierungswerte. Sie können eine einzelfallbezogene Prüfung durch qualifizierte Fachberater nicht ersetzen. Ob eine konkrete Entscheidung wirtschaftlich, rechtlich, steuerlich oder strategisch sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls ab.