Einleitung
Multiples (Multiplikatoren) sind eine einfache und häufig verwendete Methode zur Unternehmensbewertung im KMU-Bereich [1]. Sie setzen den Kaufpreis ins Verhältnis zu einer Ertragsgröße wie EBITDA, Umsatz oder Gewinn und erleichtern einen schnellen Vergleich mit Branchenbenchmarks [3].
1. Die wichtigsten Multiples
| Multiple | Formel | Geeignet für | Aussage |
|---|---|---|---|
| EBITDA-Multiple | Enterprise Value / EBITDA | Profitable KMU | Am häufigsten verwendet |
| Umsatz-Multiple | Enterprise Value / Umsatz | SaaS, Startups, Beratung | Bei nicht-profitablen Unternehmen |
| SDE-Multiple | Kaufpreis / Seller's Discretionary Earnings | Kleinstunternehmen | Berücksichtigt Inhabergehalt |
| KGV (P/E Ratio) | Kaufpreis / Jahresüberschuss | Börsennotierte Unternehmen | Selten bei KMU |
2. EBITDA-Multiples nach Branche (DACH-Raum) [2] [4] [6]
| Branche | Kleines KMU (< 1 Mio. € Umsatz) | Mittleres KMU (1–10 Mio. €) | Großes KMU (> 10 Mio. €) |
|---|---|---|---|
| Handwerk | 2–3x | 3–4x | 4–5x |
| Gastronomie | 1,5–2,5x | 2–3x | 3–4x |
| IT-Dienstleistungen | 3–5x | 5–7x | 6–8x |
| Produktion | 3–4x | 4–6x | 5–7x |
| Beratung | 2–4x | 3–5x | 4–6x |
| E-Commerce | 2–4x | 4–6x | 5–8x |
| SaaS | 5–8x | 8–12x | 10–20x |
| Arztpraxen | 3–5x | 5–8x | – |
Die Werte in dieser Tabelle basieren auf Branchenschätzungen, Praxiserfahrungswerten und marktüblichen Angaben.
Warum steigen Multiples mit der Unternehmensgröße?
| Faktor | Kleines Unternehmen | Großes Unternehmen |
|---|---|---|
| Inhaberabhängigkeit | Hoch → Abschlag | Niedrig → Aufschlag |
| Diversifikation | Gering → Abschlag | Breit → Aufschlag |
| Managementtiefe | Flach → Abschlag | Tief → Aufschlag |
| Finanzierbarkeit | Schwierig → Abschlag | Einfach → Aufschlag |
| Käuferkreis | Begrenzt | Breit (inkl. PE-Fonds) |
3. Einflussfaktoren auf das Multiple
| Faktor | Aufschlag zum Branchenschnitt | Abschlag |
|---|---|---|
| Wachstum > 10 % p.a. | +0,5 bis +2x | – |
| Wiederkehrende Umsätze > 60 % | +0,5 bis +1x | – |
| Geringe Inhaberabhängigkeit | +0,5 bis +1x | – |
| Hohe Kundenkonzentration (> 30 %) | – | -0,5 bis -1x |
| Investitionsstau | – | -0,5 bis -1x |
| Schrumpfender Markt | – | -1 bis -2x |
| Patente / IP vorhanden | +0,5 bis +1x | – |
4. Rechenbeispiel: Multiple-basierte Bewertung
Unternehmen: Softwareentwicklungsfirma, 8 Mitarbeiter
Umsatz: 1.200.000 €
EBITDA (bereinigt): 240.000 €
Branchenmultiple (IT, < 5 Mio. Umsatz): 5x
Basis-Unternehmenswert: 240.000 × 5 = 1.200.000 €
Anpassungen:
+ Wachstum 15 % p.a.: +0,5x → +120.000 €
+ Wiederkehrende Umsätze 70 %: +0,5x → +120.000 €
– Top-Kunde 35 % Umsatz: -0,5x → -120.000 €
Angepasster Unternehmenswert: 1.320.000 €
– Nettoverschuldung: -100.000 €
= Equity Value: 1.220.000 €
5. Enterprise Value vs. Equity Value
Enterprise Value (EV) = EBITDA × Multiple
= Wert des gesamten Unternehmens (unabhängig von Finanzierung)
Equity Value = EV – Nettofinanzverbindlichkeiten + Überschüssige Liquidität
= Was der Käufer für die Anteile zahlt
Rechenbeispiel (Kalkulationsbeispiel):
EBITDA × Multiple = 300.000 × 5 = 1.500.000 € (Enterprise Value)
– Bankkredit: -200.000 €
– Gesellschafterdarlehen: -100.000 €
+ Überschüssige Liquidität: +50.000 €
= Equity Value: 1.250.000 €
Zusammenfassung und Einordnung
1. Multiples sind Vergleichswerte und keine endgültigen Wahrheiten. Sie geben eine Richtung vor, ersetzen aber keine vertiefte Bewertung.
2. Ein bereinigtes EBITDA erhöht die Aussagekraft deutlich. [5] Unbereinigte Ausgangsdaten können die Multiple-Betrachtung verzerren.
3. Enterprise Value und Equity Value sollten sauber getrennt werden. Der Kaufpreis für die Anteile ergibt sich erst nach Berücksichtigung von Schulden und Liquidität.
4. Die Größenabhängigkeit verdient Beachtung. Niedrigere Multiples bei kleinen Unternehmen sind häufig eher ein Markteffekt als automatisch eine Fehlbewertung.
5. Auf- und Abschläge sollten nachvollziehbar begründet werden. Das verbessert Vergleichbarkeit und Verhandlungstransparenz.
Quellen
- DUB KMU Multiples (2025-06-01)
- Exit Coach – EBITDA Multiples (2025-10-01)
- Dealsuite M&A Monitor 2025 (2025-08-01)
- Nachfolgemonitor – Empirische Studie zur Unternehmensnachfolge (2025-01-01)
- Deutsche Bundesbank – Unternehmensabschlüsse / Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen (2025-06-01)
- DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 (2025-01-01)